Wie aus Vertrauen, vielen Stunden Arbeit und einer gehörigen Portion Experimentierfreude ein Weihnachtskrimi, eigene Songs und eine ganz besondere Kassette entstanden
Ein wenig Eigenwerbung muss an dieser Stelle erlaubt sein. Für meinen fantastischen Arbeitgeber, für meine großartigen Kolleginnen und Kollegen – und ausnahmsweise auch ein kleines bisschen für mich selbst.
Als ich 2025 mit erstaunlich sportlicher Vorlaufzeit gefragt wurde, ob ich eine Idee für unsere nächste Weihnachtsaktion hätte, war ich zunächst tatsächlich überrascht. Unsere Weihnachtsaktionen bei Atelier & Friends sind schließlich nicht irgendein Pflichtprogramm, das man kurz vor Jahresende zwischen Kundenprojekten und Weihnachtsfeier einschiebt. Sie dürfen auffallen, überraschen und im besten Fall lange in Erinnerung bleiben.
Gesucht war also keine weitere Tasse mit Logo. Kein Kalender. Kein Präsentkorb mit Wein, Nudeln und einem Glas Pesto. Und schon gar nichts, was es in ähnlicher Form bereits hundertfach gegeben hatte. Etwas Eigenständiges sollte es werden. Etwas, das zu uns passt.
Denn genau das zeichnet uns Atelieraner aus: Wir begnügen uns nur ungern mit der erstbesten Lösung. Wenn eine Idee bereits überall herumliegt, müssen wir sie nicht auch noch aufheben. Wir suchen lieber nach dem Gedanken, der zunächst ein wenig verrückt klingt – und gerade deshalb das Potenzial besitzt, etwas Besonderes zu werden.
Warum eigentlich ich?
Dass ausgerechnet ich nach einer Idee gefragt wurde, hat mich durchaus geehrt. Schließlich arbeite ich mit vielen kreativen Köpfen zusammen, die in Gestaltung, Visualisierung, Konzeption und technischer Umsetzung Außergewöhnliches leisten. Menschen, die aus einem ersten Gedanken eine Bildwelt entwickeln, aus einer Skizze ein starkes Erscheinungsbild machen und selbst dann noch Lösungen finden, wenn andere längst behaupten, etwas sei nicht möglich.
Warum also ich?
Vielleicht, weil Kreativität nicht nur in Bildern stattfindet. Vielleicht, weil ich gerne schreibe, Geschichten entwickle und mich gelegentlich in Ideen verbeiße, die vernünftige Menschen vermutlich etwas früher wieder loslassen würden. Vielleicht aber auch einfach deshalb, weil mir zugetraut wurde, aus einer zunächst groben Vorstellung etwas Tragfähiges zu machen.
Dieses Vertrauen bedeutete mir viel. Also nahm ich die Aufgabe an – ohne auch nur annähernd zu ahnen, wie viele Stunden, Schleifen, Einfälle und kleine Wahnsinnigkeiten noch auf mich warten würden.
Bitte etwas Retro
Als zusätzliche Anregung stand schnell der Wunsch im Raum, die Weihnachtsaktion könne ruhig einen gewissen Retro-Charakter besitzen. Eine kleine Zeitreise zurück in jene Jahre, in denen das Digitale noch nicht jeden Bereich unseres Alltags bestimmte. Als Musik nicht aus irgendeiner Cloud kam, sondern auf Tonträgern gespeichert war. Als man nicht wischte, klickte oder streamte, sondern eine Kassette in den Rekorder schob und eine mechanische Taste drückte.
Und plötzlich war da diese Idee:
Warum nicht eine eigene Kassette produzieren?
Nicht als bloßes Dekorationsobjekt, sondern tatsächlich bespielt. Mit richtigen Inhalten. Mit einer Geschichte, Stimmen, Musik und allem, was dazugehört. Ein analoges Weihnachtsgeschenk, entstanden mithilfe moderner digitaler Möglichkeiten. Retro im Äußeren, experimentierfreudig im Inneren.
Nur hatte ich so etwas noch nie gemacht.

Für alle, die Kassetten nur noch aus Erzählungen kennen
Vielleicht sollte an dieser Stelle kurz erklärt werden, was eine Kassette überhaupt ist. Schließlich ist längst eine Generation herangewachsen, die ihre Musik ausschließlich über Streamingdienste, Smartphones oder digitale Playlists kennt.
Die Musikkassette – genauer gesagt die Compact Cassette – ist ein kleiner Tonträger aus Kunststoff, in dessen Innerem sich ein schmales Magnetband auf zwei Spulen befindet. Auf diesem Band konnten Musik, Hörspiele und Sprache aufgenommen werden. Die Kassette wurde in einen Rekorder oder ein Kassettendeck eingelegt, und mit einem hörbaren Klacken setzte sich das Band in Bewegung.
Sie hatte zwei Seiten: Seite A und Seite B. War die eine Seite zu Ende, musste die Kassette aus dem Gerät genommen, umgedreht und wieder eingelegt werden. Vorspulen und Zurückspulen benötigten Zeit. Und wenn sich das Band einmal verhedderte, begann eine feinmechanische Rettungsaktion, bei der ein Bleistift oft zum wichtigsten Werkzeug wurde.
Ich bin mit Kassetten aufgewachsen. Mit selbst aufgenommenen Mixtapes, mit Radiomoderatoren, die grundsätzlich in die letzten Sekunden eines Songs hineinsprechen mussten, und mit dem Versuch, den Aufnahmeknopf im genau richtigen Moment zu drücken. Musik war nicht jederzeit und grenzenlos verfügbar. Man musste auf sie warten, sie aufnehmen, überspielen, sortieren und beschriften.
Vielleicht hatte sie gerade deshalb einen anderen Wert.
Eine selbst zusammengestellte Kassette war persönlich. Man musste sich Gedanken über die Reihenfolge machen und darauf achten, dass die Spielzeit der Songs zum verfügbaren Band passte. Fehler ließen sich nicht einfach mit einem Klick korrigieren. Und manchmal wusste man schon am typischen Rauschen der ersten Sekunden, dass gleich etwas Besonderes beginnen würde.
Für mich war die Kassette deshalb nicht einfach nur irgendein nostalgisches Medium. Sie war ein Stück meiner eigenen Kindheit und Jugend. Und vielleicht gefiel mir der Gedanke auch deshalb so gut, ausgerechnet dieses fast verschwundene Format für unsere Weihnachtsaktion wieder zum Leben zu erwecken.
Aus einer Idee wurde ein Weihnachtskrimi
Eine Kassette braucht Inhalt. Und wenn man schon eine Weihnachtsaktion entwickelt, durfte es natürlich nicht irgendein Inhalt sein. So entstand der Gedanke an ein eigenes Hörspiel – genauer gesagt: einen Weihnachtskrimi.
Mit einer Geschichte, die eigens für diese Aktion geschrieben wurde. Mit Figuren, Dialogen, überraschenden Wendungen und einer Rollenverteilung innerhalb unseres Unternehmens. Meine Kolleginnen und Kollegen sollten nicht nur hinter den Kulissen mitwirken, sondern selbst zu einem hörbaren Teil der Geschichte werden.
Das bedeutete zunächst einmal: schreiben. Figuren entwickeln. Szenen entwerfen. Dialoge so formulieren, dass sie nicht nur auf dem Bildschirm funktionieren, sondern gesprochen lebendig werden. Eine Geschichte benötigt beim Hören schließlich einen anderen Rhythmus als beim Lesen. Man kann nicht einfach zurückblättern, wenn etwas unklar geblieben ist. Jede Szene muss verständlich sein, jede Stimme erkennbar und jede Pointe im richtigen Moment sitzen.
Aus ersten Notizen wurde ein Ablauf. Aus dem Ablauf entstand ein Skript. Das Skript wurde überarbeitet, erweitert, gekürzt und erneut überarbeitet. Manche Einfälle funktionierten sofort, andere erwiesen sich erst beim Einsprechen als zu kompliziert.
Und dann wurde es ernst: Der Weihnachtskrimi entstand nicht dadurch, dass alle Beteiligten ihre Texte irgendwann einzeln und allein in ein Mikrofon sprachen. Wir nahmen das Hörspiel gemeinsam auf – mit realen Personen aus unserem Team von Atelier & Friends, in illustrer Runde und live.
Genau das verlieh der Geschichte ihre besondere Atmosphäre. Die Beteiligten standen beziehungsweise saßen gemeinsam vor den Mikrofonen, schlüpften in ihre Rollen, reagierten aufeinander und ließen die Dialoge tatsächlich entstehen. Es wurde gesprochen, gespielt, gelacht, improvisiert und selbstverständlich auch die eine oder andere Passage wiederholt.

Manche Szenen entwickelten erst durch die Stimmen und das Zusammenspiel der Beteiligten ihren endgültigen Charakter. Ein bestimmter Tonfall, eine spontane Reaktion oder eine ungeplante Pause konnte mehr bewirken als eine weitere Überarbeitung im Skript. Aus geschriebenen Figuren wurden plötzlich hörbare Persönlichkeiten.
Es war keine anonyme Studioproduktion mit professionellen Sprecherinnen und Sprechern. Es waren wir selbst. Menschen von Atelier & Friends, die sich gemeinsam auf dieses ungewöhnliche Experiment einließen. Und genau das machte den Weihnachtskrimi so authentisch, persönlich und unverwechselbar.
Wie das bei solchen Projekten häufig der Fall ist, kam irgendwann der Moment, an dem aus der charmanten kleinen Idee ein erstaunlich umfangreiches Vorhaben geworden war.
Aber da gab es längst kein Zurück mehr.
Zum Glück.
Wenn eine Kassette plötzlich zwei Seiten hat
Eine klassische Kassette besitzt bekanntlich zwei Seiten. Und nur eine davon zu bespielen, wäre nun wirklich Verschwendung gewesen.
Da ich bereits seit längerer Zeit mit KI-generierter Musik experimentiert hatte, lag der nächste Gedanke eigentlich nahe: Wenn sich auf der einen Seite ein Weihnachtskrimi befindet, warum sollten auf der anderen nicht eigene Weihnachtssongs zu hören sein?
Und genau an diesem Punkt artete die Sache endgültig aus.
Plötzlich ging es nicht mehr allein um ein Hörspiel. Nun wurden zusätzlich Songideen entwickelt, Texte geschrieben, musikalische Stilrichtungen ausprobiert und Kompositionen mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt. Nicht ein einziger Weihnachtssong sollte entstehen, sondern gleich mehrere – bewusst unterschiedlich, abwechslungsreich und mit dem einen oder anderen Augenzwinkern.

Das klassische Weihnachtslied durfte ebenso seinen Platz finden wie modernere oder vollkommen unerwartete Stilrichtungen. Die KI wurde dabei nicht einfach mit einem kurzen Befehl gefüttert, um anschließend irgendeinen fertigen Song auszuspucken. Jeder brauchbaren Version gingen zahlreiche Versuche voraus. Texte mussten angepasst, Strukturen verändert, Stimmungen präzisiert und musikalische Ergebnisse verworfen werden.
Manchmal passte die Melodie, aber die Stimme nicht. Manchmal funktionierte der Refrain, während die Strophen noch immer in eine völlig falsche Richtung liefen. Und manchmal entstand etwas so Eigenartiges, dass man zwar lachen musste, es aber beim besten Willen niemandem auf einer Weihnachtskassette zumuten konnte.
Ich kann euch sagen: In diesem Projekt steckten unzählige Stunden.
Aber genau darin lag auch der Reiz. Ich konnte schreiben, experimentieren, ausprobieren und verschiedene kreative Disziplinen miteinander verbinden. Das Hörspiel war klassische Erzähl- und Textarbeit. Die Musik wiederum führte in ein neues Feld, in dem menschliche Ideen und künstliche Intelligenz zusammenwirkten. Und all das sollte am Ende auf einem Medium landen, das viele längst in die Vergangenheit verabschiedet hatten.
Ohne Team bleibt selbst die beste Idee nur eine Idee
So sehr ich mich bei diesem Projekt austoben durfte: Allein wäre es niemals zu dem geworden, was es schließlich wurde.
Ein solches Vorhaben lebt von vielen Menschen. Von Kolleginnen und Kollegen, die bereit sind, Rollen zu übernehmen und ihre Stimmen herzugeben. Von denjenigen, die organisieren, gestalten, aufnehmen, korrigieren und technische Lösungen finden. Von Menschen, die einen Gedanken ergänzen, eine Szene verbessern oder im richtigen Moment sagen: „Das funktioniert so noch nicht.“
Vor allem aber lebt es von einem Team, das bereit ist, sich auf eine ungewöhnliche Idee einzulassen.
Genau das ist bei Atelier & Friends geschehen. Aus meinem ersten Gedanken wurde durch das Zutun vieler kreativer Köpfe ein gemeinsames Werk. Jede Stimme, jede gestalterische Entscheidung und jede helfende Hand machte die Kassette ein Stück vollständiger.
Was am Ende entstand, war weit mehr als ein Werbegeschenk. Es war ein echtes Gemeinschaftsprojekt. Ein kleines Stück Atelier & Friends zum Anhören.
Ein Weihnachtsgeschenk mit A- und B-Seite
Schließlich war sie tatsächlich da: unsere eigene, doppelseitig bespielte Weihnachtskassette.
Auf der einen Seite befand sich der eigens geschriebene und gemeinsam live aufgenommene Weihnachtskrimi, gesprochen und gespielt von Menschen aus unserem Unternehmen. Auf der anderen Seite waren unsere selbst entwickelten Weihnachtssongs in verschiedenen Stilrichtungen zu hören – geschrieben, konzipiert und mithilfe künstlicher Intelligenz musikalisch umgesetzt.
Ein analoges Produkt, das ohne digitale Technik und moderne KI nicht hätte entstehen können. Vergangenheit und Gegenwart auf wenigen Metern Magnetband vereint.
Dann begann der Versand. Die Kassetten wurden verpackt und machten sich auf den Weg zu unseren Partnern und Kunden. Hoffentlich sorgten sie dort nicht nur für Verwunderung, sondern auch für ein wenig Freude. Vielleicht wurde die eine oder andere alte Stereoanlage wieder in Betrieb genommen. Vielleicht musste erst im Keller nach einem Kassettenrekorder gesucht werden. Und vielleicht fragten sich manche Empfänger zunächst, was sie da eigentlich in den Händen hielten – oder in welches Gerät dieses merkwürdige Ding nun hineingehörte.

Allein diese Vorstellung gefällt mir bis heute.
Während die Kassette auf Reisen ging
Während unser Werk per Post seine Reise antrat, nahm meine eigene Geschichte eine unerwartete Wendung. Ich musste aus gesundheitlichen Gründen eine Pause einlegen – nicht freiwillig, sondern gezwungenermaßen.
Aber das ist eine andere Geschichte.
Vielleicht gehört auch dieser Umstand dazu, wenn ich heute auf das Projekt zurückblicke. Kreative Arbeiten sind immer mit bestimmten Zeiten im Leben verbunden. Mit Orten, Menschen, Gefühlen und persönlichen Situationen. Man erinnert sich später nicht nur an das fertige Ergebnis, sondern auch daran, was rundherum geschehen ist.
So steht diese Kassette für mich nicht allein für einen Weihnachtskrimi und einige ungewöhnliche Songs. Sie erinnert mich an eine intensive Phase, an Begeisterung und Erschöpfung, an viele Stunden des Schreibens und Experimentierens – und an den Moment, in dem plötzlich andere Dinge wichtiger wurden.
Umso schöner ist es, dass das vollendete Werk weiterhin existiert.
Noch immer online – und noch immer besonders
Ich selbst habe noch immer große Freude daran. Natürlich höre ich heute auch die Stellen, die ich vielleicht anders schreiben oder produzieren würde. Das gehört dazu. Mit etwas Abstand entdeckt man immer neue Details und Möglichkeiten. Trotzdem überwiegt der Stolz auf das, was wir gemeinsam geschaffen haben.
Vielleicht hört heute noch jemand hinein. Vielleicht entdeckt jemand den Weihnachtskrimi erst jetzt. Vielleicht sorgen die Songs noch einmal für ein Lächeln – selbst wenn Weihnachten gerade weit entfernt scheint.
Für mich bleibt dieses Projekt eines jener Werke, an die ich mich besonders gerne erinnere. Weil ich mich darin ausprobieren durfte. Weil ich meine Freude am Schreiben in eine neue Form übertragen konnte. Weil aus einem ersten Gedanken etwas Reales entstand, das man in den Händen halten, umdrehen und anhören konnte.
Vor allem aber bleibt mir das Vertrauen in Erinnerung, das mir damals entgegengebracht wurde.
Das Vertrauen, eine ungewöhnliche Idee entwickeln zu dürfen. Das Vertrauen, eine Geschichte zu schreiben und daraus gemeinsam mit meinem Team eine komplette Weihnachtsaktion zu machen. Und das Vertrauen, auch einmal Wege zu gehen, bei denen zu Beginn noch niemand genau weiß, wo sie enden werden.
Vielleicht ist genau das die schönste Form von Kreativität: Man beginnt mit einer Idee, die ein wenig verrückt erscheint – und hält irgendwann eine doppelseitig bespielte Kassette in den Händen.
Mit einem Weihnachtskrimi auf der einen Seite.
Mit Weihnachtssongs auf der anderen.
Und mit verdammt viel Herzblut dazwischen.



