Eine Ehrung im Jahr 2026. Und plötzlich spüre ich wieder, wie tief mich diese Band geprägt hat – und wie sehr Kurt Cobain noch immer fehlt

Es fällt mir schwer, über Nirvana zu schreiben, ohne dass mir die Worte entweder zu klein oder zu gross vorkommen. «Eine wichtige Band für mich» ist viel zu wenig. Und sobald ich versuche zu erklären, wie tief diese Musik in mir sitzt, klingt es schnell nach etwas, das man eben über seine Lieblingsband sagt. Dabei geht es für mich um etwas sehr Persönliches. Nirvana hat mich geprägt. Die Musik, diese Stimme, die ganze Unruhe darin. Und Kurts Tod hat mich getroffen auf eine Weise, die ich bis heute nicht richtig erklären kann. Ich merke nur, dass es noch da ist. Jetzt schaue ich mir diese Rede bei den MTV Video Music Awards 2026 an, und all das kommt wieder hoch. Die Verbundenheit. Die Traurigkeit. Diese verdammte Sehnsucht danach, dass die Geschichte damals anders weitergegangen wäre.

Auf der Bühne stehen Krist Novoselic, Dave Grohl und Pat Smear. Am 27. September wurde Nirvana in Los Angeles mit dem Video Vanguard Award ausgezeichnet, dem Ehrenpreis der MTV Video Music Awards für den nachhaltigen Einfluss auf Musikvideos und Popkultur. Chuck D von Public Enemy überreichte die Auszeichnung. Ein grosser Moment für eine Band, deren Musik und Bilder sich so vielen Menschen eingeprägt haben. Für mich bekommt dieser Abend aber sofort etwas sehr Privates. Ich sehe die drei und denke an Kurt. Daran, dass er dort stehen müsste. Dass ich gern wüsste, wie er heute aussehen würde, was er sagen würde, was ihn beschäftigen würde. Natürlich gibt es darauf keine Antwort. Trotzdem sind diese Gedanken da. Hintergrund zur Ehrung

Es ist schon seltsam, wie nah einem ein Mensch durch Musik kommen kann. Ich habe Kurt Cobain nicht gekannt. Ich weiss nicht, wie ein Gespräch mit ihm gewesen wäre, und möchte mir auch nicht einreden, dass seine Songs mir den ganzen Menschen erklärt hätten. Aber seine Stimme war mir vertraut. Sie hat etwas in mir erreicht, das sich mit anderen Menschen manchmal nur schwer teilen liess. Man hört zu, erkennt irgendein Gefühl wieder und muss für einen Moment nichts weiter erklären. Vielleicht entsteht genau dort diese Bindung. Und vielleicht erklärt das ein wenig, weshalb sein Tod für mich so viel mehr war als eine traurige Nachricht über einen berühmten Musiker. Da war jemand verstummt, dessen Stimme längst einen Platz in meinem eigenen Leben hatte.

Eine Rede, die vieles wieder berührt

Krist Novoselic übernimmt an diesem Abend die Dankesrede. Er spricht darüber, dass damals niemand von ihnen hätte absehen können, wie viel die Band, ihr Sound und ihre künstlerische Handschrift einmal so vielen Menschen bedeuten würden. Sinngemäss beschreibt er dieses Staunen darüber, wie weit etwas reicht, das man gemeinsam geschaffen hat. Ich höre ihm zu und denke: Ja. Bis hierher. Bis in mein Leben, bis in Gefühle hinein, die auch Jahrzehnte später noch mit dieser Musik verbunden sind. Für die Band waren es Songs, an denen sie gearbeitet haben, Aufnahmen, Videos, Auftritte. Für uns wurden daraus ganz eigene Erinnerungen. Sie konnten unmöglich wissen, wohin das alles gelangen würde. Bericht zur Dankesrede

Novoselic erinnert an Kurts kreative Vorstellungskraft, an seine Bedeutung für die Bildwelt der Band. Über ihn sagt er, ins Deutsche übersetzt: «Er war einzigartig.» Dieser kurze Satz bleibt bei mir hängen. Vielleicht gerade deshalb, weil er so wenig versucht. Wer soll einen Menschen auch in einer Dankesrede zusammenfassen können? Schon gar jemand, der mit ihm ein Stück seines Lebens geteilt hat. Ich kann nur ahnen, welche Erinnerungen für die Menschen auf dieser Bühne dazugehören. Hinter den bekannten Bildern liegen gemeinsame Tage, Gespräche, Arbeit, wahrscheinlich jede Menge unspektakuläre Momente, von denen wir nichts wissen. Und während wir an Kurt Cobain denken, erinnern sie sich auch an ihren Freund. Das macht diese Worte für mich so berührend. Novoselics Würdigung von Cobain

Am stärksten trifft mich der Gedanke gegen Ende der Rede. Novoselic führt die anhaltende Bedeutung Nirvanas sinngemäss darauf zurück, dass Menschen weiterhin nach Echtheit suchen. Nach etwas, dem sie glauben können und in dem sie sich wiederfinden. Dann fällt diese Formulierung, die sich so ins Deutsche übersetzen lässt: «Es ist völlig okay, so zu kommen/sein, wie du bist.» Come as you are. Da ist dieser vertraute Satz, und ich höre noch einmal genauer hin. Weil er in diesem Moment sehr viel von dem zusammenbringt, was mir diese Band bedeutet.

Nirvana Receives the VMA Video Vanguard Award | 2026 VMAs

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Wie tief Musik sitzen kann

Wenn ich heute Nirvana höre, höre ich immer auch ein Stück meines eigenen Lebens mit. Das lässt sich kaum vermeiden, und ich möchte es auch gar nicht. Manche Songs sind über die Jahre so vertraut geworden, dass ich jede Wendung kenne und sie mich trotzdem wieder erwischen. Eine bestimmte Stelle, ein Wechsel in Kurts Stimme, dieser Übergang von Zurückhaltung zu einer Wucht, die mich noch immer mitnimmt. Ich kann die Musik längst kennen und trotzdem etwas darin hören, das mich an diesem Tag anders berührt. Je nachdem, wie es mir gerade geht. Vielleicht ist das einer der Gründe, weshalb sie für mich nie einfach erledigt oder irgendwann «durchgehört» war.

Mich hat immer diese Gleichzeitigkeit von Kraft und Verletzlichkeit beschäftigt. Wie viel Druck in der Musik liegt und wie offen sie sich dabei anfühlen kann. Ich muss nicht jede Textzeile eindeutig verstehen, um eine Verbindung dazu zu spüren. Manchmal ist da eher eine Stimmung, ein Unbehagen, eine Unruhe, die mir vertraut vorkommt. Und plötzlich hat etwas einen Klang, das ich selbst nicht gut hätte benennen können. Es fällt mir auch heute noch schwer, genauer zu sagen, was Nirvana mit mir gemacht hat. Aber ich weiss, dass diese Musik mich in meinem Empfinden ernst genommen hat. Zumindest hat es sich für mich so angefühlt. Sie liess Platz für Widersprüche, die ich nicht erst auflösen musste, bevor ich zuhören durfte.

Mit Kurts Tod hat sich etwas in dieses Hören eingeschrieben, das geblieben ist. Ich kann die Songs geniessen, mich von ihnen mitnehmen lassen und gleichzeitig traurig darüber sein, dass der Mensch hinter dieser Stimme so früh gestorben ist. Ich hätte ihm mehr Leben gewünscht. Weitere Jahre, in denen sich Dinge hätten verändern können. Was musikalisch noch gekommen wäre, beschäftigt mich natürlich auch. Aber wenn ich ehrlich bin, geht mein Wunsch viel weiter zurück: Ich hätte einfach gewollt, dass er noch da ist. Dass seine Geschichte mehr Zeit bekommen hätte. Dieser Gedanke ist nach all den Jahren nicht vernünftiger oder weniger schmerzhaft geworden. Er taucht noch immer auf, wenn ich Bilder von ihm sehe oder seine Stimme höre.

Deshalb berührt mich die Ehrung 2026 so. Über drei Jahrzehnte sind seit seinem Tod vergangen, und diese Band wird weiterhin gehört, besprochen, geliebt. Kurt ist nicht vergessen. Die Musik erreicht Menschen, wird wiederentdeckt und findet ihren Platz in Leben, von denen er nie etwas wissen konnte. Das zu sehen, tut gut. Es gibt so vieles, das mit der Zeit verblasst, auch Dinge, von denen man einmal dachte, sie würden für immer wichtig bleiben. Bei Nirvana empfinde ich diese Entfernung kaum. Ich kann eine Weile nicht bewusst an die Band denken. Dann höre ich einen Song, sehe einen Auftritt oder eben diese Rede und merke sofort, wie viel noch da ist.

Come as you are

Mit Come as You Are ist das besonders. Schon der Titel begleitet mich seit so vielen Jahren, dass ich ihn oft einfach als etwas Vertrautes wahrnehme. An diesem Abend bleibe ich wieder an seiner Bedeutung hängen: Komm, wie du bist. Was für eine schöne Einladung eigentlich. Und wie schwer sie manchmal anzunehmen ist. Man kann längst erwachsen sein und sich trotzdem fragen, ob man richtig ist, wie man ist. Ob man zu empfindlich reagiert, zu viel nachdenkt, irgendwo nicht hineinpasst. Man gewöhnt sich daran, vieles mit sich selbst auszumachen. Zeigt die Seiten, die leicht zu erklären sind, und behält anderes lieber für sich. Umso mehr berührt mich ein Satz, in dem ich höre, dass ich mich nicht erst zurechtmachen muss, um da sein zu dürfen.

Das ist meine persönliche Lesart dieser Worte. Der Song ist widersprüchlicher, als sein Titel auf den ersten Blick vermuten lässt, und ich möchte ihm keine eindeutige Botschaft aufzwingen. Trotzdem ist diese Einladung über die Jahre für mich darin gewachsen. Novoselic greift sie in der Rede auf, und ich merke, wie gern ich sie weitergeben möchte. Weil ich selbst weiss, wie wohltuend es ist, sich irgendwo angenommen zu fühlen. Wenn man einen Gedanken aussprechen kann, der noch nicht fertig ist. Wenn Unsicherheit nicht gleich peinlich wird. Wenn man nicht dauernd daran arbeiten muss, nach aussen möglichst souverän zu erscheinen.

Dabei denke ich auch daran, wie ich anderen Menschen begegne. Ob ich ihnen tatsächlich diese Offenheit zugestehe. Ob ich zuhöre oder schon nach wenigen Sätzen meine, verstanden zu haben, wer da vor mir sitzt. «Komm, wie du bist» klingt einfach, solange es ein schöner Satz bleibt. Im Alltag verlangt es Geduld und manchmal auch die Bereitschaft, die eigene Vorstellung von einem Menschen zu korrigieren. Vielleicht berührt mich dieser Gedanke heute noch auf eine andere Weise als früher. Ich höre in diesen Worten etwas, das mir selbst Halt geben kann, und gleichzeitig etwas, an dem ich mein eigenes Verhalten messen möchte.

Nirvana - Come As You Are (Live And Loud, Seattle / 1993)

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Als die Rede vorbei ist, bleibt bei mir diese Mischung aus Traurigkeit und Dankbarkeit. Ich freue mich über die Anerkennung, über die Aufmerksamkeit für die Band, darüber, dass ihre Musik 2026 noch immer so selbstverständlich einen Platz hat. Gleichzeitig hätte ich Kurt diesen Moment von Herzen gewünscht. Auch wenn ich nicht wissen kann, was er davon gehalten hätte. Ich hätte ihn einfach gern selbst dort gesehen. Stattdessen sind seine Songs da, seine Stimme und die Spuren, die er bei Menschen hinterlassen hat. Bei mir reichen sie tief. Ich merke es daran, wie schwer mir dieser Text fällt und wie viel ich trotzdem darüber sagen möchte.

Nirvana, hach. Ich werde bei dieser Band wohl nie ganz sachlich werden. Dafür hat sie zu viel mit mir zu tun. Vielleicht muss ich auch gar nicht genauer erklären können, weshalb mich das nach all den Jahren noch so trifft. Es reicht, dass ich es spüre. Dass ich die Musik anmachen kann und sie mich erreicht. Dass ich traurig sein darf über Kurt und mich gleichzeitig darüber freuen kann, was geblieben ist. Und dass am Ende dieser Rede ein Satz steht, den ich heute genauso brauchen kann wie damals und den ich gern weitertragen möchte: Come as you are. Komm, wie du bist.

(Nirvana – KI-generiert)

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