Der neue Trailer zu „Dune: Part three“ kündigt kein gewöhnliches Finale an, sondern eine düstere Abrechnung mit Macht, Glauben und Erlösung – inszeniert von Denis Villeneuve, getragen von einem außergewöhnlichen Ensemble und verdichtet durch Hans Zimmers unverwechselbaren Klang
Manchmal genügt ein Trailer, und der Alltag ist für einen Augenblick verschwunden. Die Bilder werden größer, der Raum scheint enger zu werden, der erste tiefe Ton setzt ein – und plötzlich ist da dieses Kribbeln. Oder genauer gesagt: jener kalte Schauer, der sich langsam über den Rücken zieht und ziemlich unmissverständlich klarmacht, dass hier etwas Besonderes auf uns zukommen könnte.
Genau das ist mir beim neuen Trailer zu „Dune: Part Three“ passiert.
Die Wüste. Die gewaltigen Bauwerke. Paul Atreides, längst nicht mehr der junge Mann, den wir zu Beginn dieser Geschichte kennengelernt haben. Chani, deren Blick mehr erzählt als mancher komplette Film. Dazu diese Stimmen, das Dröhnen, der Rhythmus und eine musikalische Wucht, die nur wenige Sekunden braucht, um Arrakis wieder auferstehen zu lassen.
Hans Zimmer lässt grüßen.
Nach diesem Trailer ist die Vorfreude nicht einfach nur da. Sie steht mitten im Raum, breitbeinig, von Sand umgeben und vermutlich auf einem ausgewachsenen Wüstenwurm.
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Wenn Geschichten den Bildschirm sprengen
Filme und Serien sind für mich weit mehr als Unterhaltung für einen freien Abend. Im besten Fall öffnen sie eine Tür zu Orten, die es außerhalb unserer Vorstellung gar nicht geben dürfte. Sie können verstören, aufwühlen, trösten oder einen Gedanken auslösen, der noch lange weiterarbeitet.
Ein wirklich guter Film verschwindet nicht, sobald das Licht im Kinosaal wieder angeht. Er bleibt. In einzelnen Bildern, in einem Dialog, in einer Melodie oder in jenem schwer erklärbaren Gefühl, gerade für zwei oder drei Stunden woanders gewesen zu sein.
Besonders spannend wird es für mich, wenn die Vorlage aus der Literatur stammt. Als begeisterter Leser weiß ich allerdings auch, welche Gefahr darin liegt. Beim Lesen entsteht im Kopf eine ganz eigene Inszenierung. Figuren erhalten Gesichter und Stimmen, Landschaften wachsen aus wenigen Sätzen, und selbst das Tempo einer Geschichte bestimmt jeder für sich.
Dann kommt das Kino und behauptet plötzlich: So sieht das alles aus.
Diese Behauptung kann überwältigend sein. Sie kann aber ebenso gründlich danebengehen.
Eine gelungene Literaturverfilmung muss keineswegs jedes Kapitel nacherzählen. Ein Film funktioniert anders als ein Roman. Er braucht Verdichtung, muss Figuren zusammenlegen, Nebenhandlungen streichen und manchmal sogar zentrale Ereignisse verändern. Entscheidend ist nicht die buchstabengetreue Übertragung. Entscheidend ist, ob die Seele der Vorlage erhalten bleibt.
Genau dort beginnen die Schwierigkeiten.
Große Namen, kleine Filme
Die Filmgeschichte ist voll von Romanen, die auf dem Papier nach einem sicheren Kinoerfolg klangen und auf der Leinwand dennoch ihre Wirkung verloren.
„Der Dunkle Turm“ ist dafür ein besonders schmerzhaftes Beispiel. Stephen Kings gewaltige Saga umfasst mehrere Romane, verbindet Western, Fantasy, Horror, Science-Fiction, Mythologie und zahlreiche Verweise auf sein gesamtes literarisches Universum. Daraus wurde 2017 ein Film von gerade einmal rund anderthalb Stunden. Das Ergebnis wirkte weniger wie die Verfilmung eines monumentalen Epos als wie dessen hastig vorgelesene Inhaltsangabe.
Auch „Eragon“ brachte vieles mit, was eigentlich nach großem Fantasykino verlangte: Drachen, Magie, Verrat, Schlachten und einen jungen Helden, der in eine ihm unbekannte Bestimmung hineingezogen wird. Auf der Leinwand blieb davon eine erstaunlich blasse und überstürzte Erzählung übrig. Die geplante Reihe endete nach dem ersten Film – lange bevor die Geschichte überhaupt richtig begonnen hatte.
„Der Goldene Kompass“ sah prächtig aus, verlor aber einen erheblichen Teil der philosophischen, religiösen und gesellschaftskritischen Schärfe von Philip Pullmans Roman. Und bei „Artemis Fowl“ wurde die Hauptfigur derart verändert, dass sich viele Leser fragten, warum der Film überhaupt noch diesen Titel trug.
Das Muster ist häufig ähnlich: Ein Studio sichert sich eine erfolgreiche Buchvorlage, vertraut ihr anschließend aber nicht. Die bekannte Marke ist willkommen, die Komplexität eher weniger. Widersprüchliche Figuren werden geglättet, unbequeme Gedanken entfernt und umfangreiche Handlungen so lange verkürzt, bis zwar noch etwas Vertrautes übrig ist – aber kaum noch etwas Eigenständiges.
Frank Herberts „Dune“ ist für eine solche Behandlung besonders ungeeignet.

Eine Geschichte, die sich gegen Vereinfachung wehrt
Auf den ersten Blick könnte man „Dune“ für ein klassisches Heldenepos halten. Ein junger Adeliger verliert seine Familie, flieht in die Wüste, schließt sich einem unterdrückten Volk an und erhebt sich gegen seine Feinde.
Das klingt beinahe unkompliziert.
Ist es aber nicht.
Frank Herberts Roman handelt von Macht und ihrer zerstörerischen Wirkung, von Kolonialismus, religiöser Manipulation, wirtschaftlicher Ausbeutung, Ökologie, Fanatismus und der gefährlichen Sehnsucht nach einem Erlöser. Das Spice ist nicht einfach ein magischer Rohstoff. Es ist Grundlage eines politischen und wirtschaftlichen Systems, das ganze Planeten abhängig macht. Die Fremen sind nicht bloß tapfere Wüstenkrieger. Sie werden zum Instrument einer Prophezeiung, die lange vor Pauls Ankunft gezielt vorbereitet wurde.
Und Paul Atreides ist schon gar kein makelloser Held.
Wer in ihm lediglich den strahlenden Befreier von Arrakis sieht, erkennt nur die Oberfläche der Geschichte. Herbert wollte zeigen, wie gefährlich charismatische Führungsfiguren werden können – vor allem dann, wenn ihre Anhänger aufhören, selbst zu denken.
Diese Vielschichtigkeit galt lange als kaum verfilmbar. Zu viele Begriffe, zu viele politische Ebenen, zu viele innere Vorgänge und Visionen. Hinzu kommt eine Handlung, die sich nicht bequem in Gut und Böse aufteilen lässt.
David Lynch versuchte es 1984 trotzdem.
Warum ich Lynchs „Dune“ bis heute verteidige
Lynchs Fassung wird häufig als gescheitert bezeichnet. Sie ist überladen, sprunghaft und setzt beim Publikum einiges an Vorwissen oder zumindest Geduld voraus. Ganze politische Zusammenhänge werden innerhalb weniger Minuten erklärt, während innere Monologe aus dem Off versuchen, Gedanken sichtbar zu machen, die im Roman problemlos mehrere Seiten füllen.
Trotzdem finde ich diesen Film keineswegs so schlecht, wie er oft dargestellt wird.
Lynchs „Dune“ besitzt eine seltsame, beinahe fiebrige Atmosphäre. Seine Welt wirkt fremd, unangenehm, manchmal grotesk und gerade deshalb faszinierend. Die Figuren sehen nicht aus, als wären sie für eine Hochglanzkampagne im Weltraum eingekleidet worden. Alles hat Kanten, Schmutz und eine gewisse körperliche Abgründigkeit.
Der Film scheitert an vielem, aber gewiss nicht an fehlendem Mut.
Und Hand aufs Herz: Ein Film darf bei mir gelegentlich auch grandios überladen sein, solange er eine eigene Handschrift besitzt. Lieber ein Werk, das an seinen Ambitionen beinahe zerbricht, als eine perfekt kalkulierte Produktion, die nichts riskiert und zwei Stunden später vollständig aus dem Gedächtnis verschwunden ist.
Lynch wollte den Wüstenplaneten nicht erklären. Er wollte ihn spürbar machen. Dass ihm dies nicht durchgehend gelang, ändert nichts daran, dass einzelne Bilder seiner Fassung bis heute eine bemerkenswerte Kraft besitzen.
Dann kam Denis Villeneuve.
Villeneuve macht die Wüste nicht kleiner
Denis Villeneuve hat offenbar etwas verstanden, das bei großen Literaturverfilmungen entscheidend ist: Man gewinnt das Publikum nicht zwangsläufig, indem man den Stoff vereinfacht. Manchmal muss man ihm vielmehr zutrauen, sich auf eine komplexe Geschichte einzulassen.
Villeneuve hetzt nicht durch Frank Herberts Universum. Er lässt es atmen.
Seine Kamera betrachtet die Architektur, die Maschinen und die endlosen Sandflächen nicht als bloße Kulisse. Sie vermittelt Maßstäbe. Menschen wirken winzig vor den Bauwerken des Imperiums, verletzlich gegenüber der Natur und beinahe unbedeutend angesichts jener Kräfte, die sie selbst entfesseln.
Monumentalität entsteht hier nicht durch pausenlose Explosionen. Sie wächst aus Stille, Erwartung und dem Gefühl, dass hinter jedem Bild eine viel größere Geschichte wartet.
Darin erinnert Villeneuve an Peter Jackson. Auch „Der Herr der Ringe“ galt lange als kaum angemessen verfilmbar. Jackson löste diese Aufgabe nicht, indem er Tolkien auf eine simple Abenteuergeschichte reduzierte. Natürlich musste er kürzen, verändern und verdichten. Doch er bewahrte den emotionalen Kern, die Melancholie, das Gewicht der Vergangenheit und die Größe von Mittelerde.
Villeneuve verfolgt bei „Dune“ einen vergleichbaren Ansatz. Er behandelt die Romanvorlage nicht als Rohstofflieferant für einen Blockbuster, sondern als Fundament. Seine Filme wollen nicht nur beeindrucken. Sie verlangen Aufmerksamkeit.
„Dune“ und „Dune: Part Two“ waren für mich deshalb keine gewöhnlichen Science-Fiction-Filme. Sie waren Kinowerke, bei denen Bild, Ton, Ausstattung, Schauspiel und Erzählung ineinandergreifen, ohne dass sich ein Element ständig in den Vordergrund drängen muss.
Dass diese Leistung auch von der Filmbranche anerkannt wurde, überrascht nicht. Der erste Teil erhielt zehn Oscar-Nominierungen und gewann sechs Auszeichnungen: für Filmmusik, Kamera, Schnitt, Produktionsdesign, Ton und visuelle Effekte. „Dune: Part Two“ wurde fünfmal nominiert und gewann zwei Oscars – erneut für den Ton sowie für die visuellen Effekte.
Acht Oscars aus zwei Filmen sind bereits eine beeindruckende Bilanz. Und trotzdem erzählen die Trophäen nur einen Teil der Geschichte.
Gesichter statt bloßer Stars
Die Welt von „Dune“ wäre nicht halb so glaubwürdig, würde sie lediglich aus Sand, Raumschiffen und digital erzeugten Würmern bestehen. Ihre eigentliche Kraft entfaltet sich durch die Menschen, die sich darin bewegen.
Timothée Chalamet spielt Paul nicht als klassischen Actionhelden. Seine Entwicklung ist schleichender und damit beunruhigender. Aus dem zurückhaltenden Sohn des Hauses Atreides wird ein Mann, der lernt, religiöse Erwartungen, politische Zwänge und die Hoffnungen eines ganzen Volkes für seine Ziele einzusetzen.
In „Dune: Part Two“ verändert sich dabei nicht nur seine Stellung. Auch seine Sprache, seine Körperhaltung und sein Blick werden härter. Der Moment, in dem Paul seine Macht endgültig annimmt, fühlt sich deshalb nicht wie ein Sieg an. Er wirkt wie der Beginn einer Katastrophe.
Zendaya verleiht Chani eine notwendige Gegenposition. Ihre Figur beobachtet Pauls Aufstieg nicht ehrfürchtig, sondern zunehmend misstrauisch. Sie erkennt früher als viele andere, welchen Preis seine Entscheidungen fordern werden. Rebecca Ferguson wiederum macht Lady Jessica zu einer der faszinierendsten Figuren der Reihe: liebevoll und berechnend, verletzlich und fanatisch, Mutter und politische Strategin zugleich.
Javier Bardem gelingt mit Stilgar etwas besonders Schwieriges. Er sorgt zunächst für Wärme und sogar für einige humorvolle Momente. Gleichzeitig zeigt er, wie aus tiefer Überzeugung blinder Glaube werden kann. Je mächtiger Paul wird, desto weniger sieht Stilgar den Menschen in ihm. Er sieht nur noch den Messias.
Hinzu kommen Florence Pugh, Josh Brolin, Anya Taylor-Joy, Jason Momoa und nun Robert Pattinson. Namen, die Aufmerksamkeit erzeugen – aber vor allem Schauspielerinnen und Schauspieler, die Villeneuves Kosmos mit Leben füllen.
Das Ende des vermeintlichen Erlösers
„Dune: Part Three“ basiert auf Frank Herberts zweitem Roman „Dune Messiah“, der im Deutschen den Titel „Der Herr des Wüstenplaneten“ trägt. Die Handlung setzt Jahre nach Pauls Aufstieg zum Imperator ein. In seinem Namen hat sich ein heiliger Krieg über das Universum ausgebreitet. Milliarden Menschen sind gestorben, ganze Kulturen wurden vernichtet, und aus der Hoffnung der Fremen ist ein gewaltiger Machtapparat entstanden.
Der neue Film erzählt deshalb nicht einfach das nächste Abenteuer.
Er stellt die Rechnung aus.
Paul hat gesiegt, doch dieser Sieg hat ihn zum Gefangenen seiner eigenen Legende gemacht. Er kann mögliche Zukünfte sehen, findet aber keinen Weg, der frei von Leid wäre. Jede Entscheidung führt zu neuen Opfern. Gleichzeitig formieren sich politische und religiöse Gegner, während selbst jene Menschen, die ihm am nächsten stehen, den Preis seiner Herrschaft tragen müssen.
Gerade darin liegt die große Herausforderung des dritten Films. „Dune Messiah“ ist weniger ein Eroberungsepos als eine politische Tragödie. Die Geschichte blickt hinter die Fassade des triumphierenden Anführers und zeigt, was geschieht, wenn ein Mensch zur Projektionsfläche für die Sehnsüchte von Milliarden wird.
Villeneuve darf das Spektakel deshalb nicht einfach noch einmal steigern. Ein größerer Sandwurm allein wird nicht reichen – auch wenn ich gegen einen größeren Sandwurm selbstverständlich nichts einzuwenden hätte.
Dieses Finale braucht Schwere, Zweifel und Konsequenz. Es muss den Mut besitzen, Paul Atreides endgültig von jenem Heldenbild zu lösen, das viele Zuschauer nach den ersten beiden Filmen vielleicht noch immer in ihm sehen.
Der Trailer deutet genau diese Richtung an. Paul wirkt nicht wie ein Herrscher auf dem Höhepunkt seiner Macht. Er wirkt isoliert, gealtert und von dem Wissen gezeichnet, dass seine Entscheidungen längst ein Eigenleben entwickelt haben. Chani begegnet ihm nicht als treue Gefährtin, sondern als jemand, dessen Vertrauen zerbrochen ist. Selbst die überwältigenden Bilder tragen diesmal einen düsteren Unterton.
Der deutsche Kinostart ist für den 17. Dezember 2026 angekündigt. In den USA läuft der Film einen Tag später an.
Der Termin steht damit fest. Meine Erwartungen leider ebenfalls.
Wo liegen die Oscar-Chancen?
Über Oscar-Gewinne zu sprechen, bevor ein Film überhaupt im Kino läuft, ist selbstverständlich spekulativ. Ein starker Trailer ersetzt weder Kritiken noch die Reaktion des Publikums. Dennoch lässt sich anhand der ersten beiden Teile recht gut einschätzen, in welchen Kategorien „Dune: Part Three“ besonders ernst genommen werden dürfte.
Die größten Chancen liegen erneut in den handwerklichen Bereichen: visuelle Effekte, Ton, Produktionsdesign, Kamera, Schnitt und Kostümdesign. Hier hat die Reihe längst einen Standard erreicht, an dem andere Großproduktionen gemessen werden. Auch Hans Zimmers Filmmusik dürfte Aufmerksamkeit erhalten – vorausgesetzt, der neue Score erfüllt die formalen Voraussetzungen der Academy und entwickelt die bisherige Klangwelt deutlich genug weiter.
Spannender wird die Frage, ob der Abschluss über die technischen Kategorien hinauskommt.
Eine erneute Nominierung als bester Film erscheint durchaus realistisch, sofern Villeneuve die politische und emotionale Tiefe der Vorlage überzeugend umsetzt. Auch eine Nominierung für die Regie wäre längst überfällig. Weder für „Dune“ noch für „Dune: Part Two“ wurde Villeneuve in dieser Kategorie berücksichtigt, obwohl beide Filme ohne seine konsequente Vision kaum vorstellbar wären.
Der dritte Teil könnte für die Academy die letzte Gelegenheit sein, nicht nur das Resultat, sondern auch den Architekten dieser Trilogie auszuzeichnen.
Bei den Darstellern ist eine Prognose schwieriger. Science-Fiction und Fantasy haben es in den Schauspielkategorien traditionell schwerer als klassische Dramen. Dennoch bietet gerade „Dune Messiah“ Timothée Chalamet enormes Material. Paul ist nun kein aufstrebender Anführer mehr, sondern ein Herrscher, der unter den Folgen seiner eigenen Entscheidungen zerbricht. Gelingt Chalamet diese Entwicklung, wäre eine Nominierung keineswegs abwegig.
Auch Zendaya könnte stärker ins Zentrum rücken. Chani trägt einen wesentlichen Teil des emotionalen Konflikts, weil sie Paul nicht als Symbol, sondern als Menschen kannte – und nun mitansehen muss, wie dieser Mensch hinter Macht, Mythos und politischem Kalkül verschwindet.
Die Oscars sind nicht unfehlbar. Großartige Filme wurden ignoriert, fragwürdige Entscheidungen getroffen und manche Gewinner sind heute kaum noch präsent. Dennoch bleiben die Academy Awards die sichtbarste Auszeichnung der internationalen Filmbranche. Sie schaffen Aufmerksamkeit, prägen Karrieren und entscheiden häufig mit darüber, welche Werke dauerhaft im kulturellen Gedächtnis verankert werden.
„Dune: Part Three“ besitzt jedenfalls das Potenzial, bei der Oscarverleihung 2027 nicht nur in den technischen Kategorien eine bedeutende Rolle zu spielen.
Hans Zimmer und der Klang einer fernen Zukunft
Schon der erste Ton kann reichen.
Noch bevor ein Sandwurm auftaucht oder Paul Atreides das Wort erhebt, ist diese Welt akustisch wieder da. Tiefe Frequenzen legen sich über die Bilder, Stimmen klingen wie Beschwörungen aus einer längst vergangenen Kultur, und irgendwo zwischen elektronischem Dröhnen, menschlichem Atem und archaischem Rhythmus entsteht etwas, das sich kaum noch als gewöhnliche Filmmusik bezeichnen lässt.
Hans Zimmer begleitet „Dune“ nicht einfach. Er hat dem Universum eine eigene Sprache gegeben.
Seine Musik klingt uralt und futuristisch zugleich. Sie erinnert an Wüstenstürme, Maschinen, religiöse Rituale und etwas Bedrohliches, das sich unter der Oberfläche bewegt. Klassische orchestrale Muster treten zurück. Stattdessen werden Instrumente verfremdet, Stimmen gedehnt und Klangflächen aufgebaut, die man beinahe körperlich wahrnimmt.
Zimmer komponiert nicht bloß Melodien für einzelne Szenen. Er schafft Atmosphäre, Raum und Gewicht.
Für den ersten „Dune“-Film erhielt er zu Recht den Oscar. Beim dritten Teil kehrt er erneut als Komponist zurück.
Die bereits hörbaren Klänge lassen erkennen, dass er sich nicht damit begnügt, Bekanntes lediglich lauter zu wiederholen. Der Sound wirkt dunkler, schwerer und beinahe ritueller. Das passt zu einer Geschichte, in der aus Hoffnung Fanatismus geworden ist und aus einem Befreier ein Imperator.
Kaum ein anderer Filmkomponist versteht es so gut, eine Leinwandwelt akustisch zu erweitern. Bei Zimmer läuft die Musik nicht neben den Bildern her. Sie dringt in sie ein, verändert ihre Wirkung und hebt einzelne Momente auf eine Ebene, die mit Dialogen allein niemals erreichbar wäre.
Man hört Arrakis nicht nur.
Man spürt den Sand zwischen den Zähnen.
Genau dafür wurde Kino erfunden
Vielleicht wird „Dune: Part Three“ die Erwartungen nicht vollständig erfüllen. Vielleicht ist gerade dieser Roman zu politisch, zu melancholisch und zu widersprüchlich, um ein breites Blockbusterpublikum zufriedenzustellen.
Doch genau darin liegt seine Chance.
Ein vorhersehbares Finale, in dem Gut und Böse noch einmal gegeneinander antreten und am Ende die richtige Seite gewinnt, würde Frank Herberts Geschichte nicht gerecht. Pauls Weg verlangt etwas Unbequemereres. Keine Krönung, sondern Ernüchterung. Keine weitere Heldensage, sondern die Demontage einer solchen.
Denis Villeneuve hat mit den ersten beiden Filmen bewiesen, dass er bereit ist, seinem Publikum Geduld, Aufmerksamkeit und Nachdenken abzuverlangen. Er hat aus einem vermeintlich unverfilmbaren Roman kein vereinfachtes Weltraumabenteuer gemacht, sondern großes, ernsthaftes Kino.
Nun folgt der schwierigste Teil.
Die Bilder des Trailers sind gewaltig, die Besetzung lässt kaum Wünsche offen, und Hans Zimmer sorgt bereits mit wenigen Klängen dafür, dass die Vorfreude gefährliche Ausmaße annimmt. Ob daraus tatsächlich das Meisterwerk entsteht, das der Trailer verspricht, wird sich erst im Dezember zeigen.
Aber dieses Gefühl ist längst wieder da: die Erwartung, einen Kinosaal zu betreten, während die Gespräche langsam verstummen und die Lichter erlöschen. Für einige Stunden gibt es dann keine Termine, keine Nachrichten und keinen Alltag.
Nur die Wüste.
Nur Arrakis.
Und diesen einen Augenblick, in dem die Musik einsetzt und eine vollkommen fremde Welt plötzlich realer erscheint als alles außerhalb des Saals.
Mehr Überzeugungsarbeit dürfte er kaum benötigen.



