Wenn wir ehrlich wären…
Was wäre, wenn Geld nicht nur seinen Wert zeigen würde – sondern auch den Preis, den andere für unseren Wohlstand bezahlen?
Die Diskussion um neue Eurobanknoten brachte mich auf einen anderen Ansatz. Statt europäischer Kultur, Bauwerke oder Naturlandschaften zeigen meine fiktiven Scheine Motive, die wir im Alltag lieber verdrängen: Vertreibung, Hunger, den Krieg in der Ukraine, die Klimakrise, Ausbeutung und globale Ungleichheit.
Im Mittelpunkt steht Calimero. Nicht als Opfer, sondern als unser schlechtes Gewissen. Er hält den Koffer der Vertriebenen, sitzt vor einer leeren Schale, steht zwischen Kriegstrümmern oder betrachtet die Lieferketten hinter günstiger Kleidung und moderner Technik.
Würde eine solche Banknotenserie ein grundsätzliches Umdenken bewirken? Ehrlich gesagt: vermutlich nicht. Es wäre wohl ähnlich wie mit den Warnbildern auf Zigarettenschachteln. Wir sehen sie, kennen die Botschaft – und machen häufig trotzdem weiter wie bisher. Der Mensch besitzt eine erstaunliche Fähigkeit, selbst unangenehme Wahrheiten irgendwann auszublenden.
Und dennoch könnte ein solcher Schein für einen kurzen Moment irritieren. Beim Bezahlen, beim Wechselgeld, beim Griff ins Portemonnaie. Vielleicht würde er eine Frage hinterlassen: Wer hat den eigentlichen Preis für das bezahlt, was ich mir gerade leisten kann?
Die Welt verändert sich dadurch nicht. Aber vielleicht beginnt jedes Umdenken mit genau diesem kurzen Moment, in dem wir nicht mehr wegsehen.
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